Unfälle in 4D

In NRW kracht es…

Nordrhein-Westfalen ist mit cirka 18 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Bundesland und enthält 28 der 80 bundesdeutschen Großstädte. Das so genannte Ruhrgebiet im Herzen von NRW ist die dichteste Metropolregion Deutschlands und mit etwa 20.000 Kilometern Straßenlänge besitzt NRW eines der dichtesten Straßennetze Europas [vrvz2016]. Kein Wunder also, dass es im Jahr 2014 laut [wmsNRW2016] über 27.000 Unfälle zu verzeichnen gab.

… und wir schauen genau hin

Die Forschungsgruppe nextPlace hat dies zum Anlass genommen einen kleinen Teil der Unfalldaten NRWs als Raum-Zeit-Sphären zu visualisieren und zuvor nur schwer sichtbare Zusammenhänge aufzuzeigen. Ein Unfall wird in der Regel als Punkt dargestellt. Ein Unfall ist jedoch ein flächiges Ereignis, denn der Unfall resultiert aus den vielen um den eigentlichen Unfallpunkt liegenden Faktoren, so zum Beispiel Straßenführung und vorhandener Verkehr. Außerdem treten Unfälle zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten gehäuft auf, sind also zeitabhängig. Die Frage ist, ob zu ähnlichen Tages- und Jahreszeiten in räumlicher Nähe Unfälle gehäuft auftreten. Die Idee hierbei ist, durch die gemeinsame Betrachtung aller Faktoren zuvor bereits durch [strassenNRW2016] identifizierte Unfallschwerpunkte neu zu bewerten und weitere Hinweise für deren Beseitigung zu erhalten.

Raum-Zeit-Sphären

Die Visualisierung der Unfälle findet über so genannte Raum-Zeit-Sphären statt. Hierbei ist der Durchmesser der Sphäre gleichbedeutend mit der räumlich und zeitlich einzubeziehenden Umgebung. Die Höhe der Sphäre ist durch den Unfallzeitpunkt definiert, wobei 0 Uhr auf Bodenniveau und 24 Uhr mit 2.400m (24*100) über NN die höchste Sphäre darstellt. Durch die Sphärenfarbe werden drei Unfallkategorien unterschieden:

  1. Grün: Sachschaden
  2. Gelb: Sach- und Personenschaden
  3. Rot: Sach- und Personenschaden mit Todesfall

Die Shären werden im Jahresverlauf zum jeweiligen Unfallzeitpunkt dargestellt und verbleiben ca. 3 Monate sichtbar. Durch den Zeitregler kann hierbei eine Abfrage nach Monaten stattfinden, der Zeitschnitt-Regler ermöglicht zudem die Abfrage auf Tageszeitbereiche, zum Beispiel 4:00 bis 15:00 Uhr.

Erkenntnisse

Durch die neuartige Visualisierung konnten Unfallbereiche in räumlicher und zeitlicher Häufung identifiziert werden. Unfallschwerpunkte mit im Jahresverlauf häufig auftretenden Unfällen können klar von Unfallschwerpunkten mit zu bestimmten Tageszeiten gehäuften differenziert werden.

Forschungsbedarf

Die drei-dimensionale Ansicht von vier-dimensionalen Daten (x, y, Höhe, Zeit) über ein nur zwei dimensionales Ausgabemedium (Monitor) ist unbefriedigend. Die zusätzlich sichtbar gemachten Informationen könnten besser erfasst werden, wenn diese stereoskopisch wahrgenommen werden könnten. Eine echte 3D-Ansicht in Form von Augmented oder Virtual Reality Displays könnte dies vereinfachen.

Quellen

[vrvz2016]: Verkehrsrecht Verzeichnis GmbH, abgerufen am 11.07.2016, http://www.vrvz.de

[strassenNRW2016]: Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 11.07.2016, https://www.strassen.nrw.de/

[wmsNRW2016]: Straßennetz Landesbetrieb Straßenbau NRW (WFS), abgerufen am 11.07.2016, http://www.wms.nrw.de/wms/strassen_nrw_wfs?REQUEST=GetCapabilities&SERVICE=wfs

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