Mission

Integrierte, intelligente Mobilitätskonzepte sind schon seit längerem Bestandteil unseres Alltags. Der Begriff beschränkt sich dabei nicht nur auf automatisierte Steuerungssysteme verschiedener Verkehrsträger, sondern umfasst ganz allgemein die technologisch-optimierte Bewegung von Menschen, Gütern und sogar Datenströmen innerhalb ihrer räumlichen Umgebung. Die strukturellen Veränderungen unserer räumlichen und zeitlichen Alltagsorganisation lassen sich an der Art unserer Nutzung und Bewegung durch den Raum, genauso wie an den von uns hinterlassenen Spuren im Netz ablesen. Individuelle Aktivitäten können zwar verschiedene Bedeutungen haben, lassen sich aber nie unabhängig von Raum und Zeit denken. Dies betrifft lokale Räume genauso, wie virtuelle Räume. Soziale, ökonomische und politische Veränderungen sind demnach immer räumlich, zeitlich und medial eingebettet.

Im Rahmen von logistischen Unternehmensprozessen oder kommunalen Entscheidungen zur Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur werden die vorliegenden räumlichen Rahmenbedingungen häufig als Auslöser bzw. Initial zur Entwicklung geeigneter Mobilitätskonzepte verstanden. E-Ticketing-Systeme entwickelten sich beispielsweise aus konkreten Problemstellungen urbaner Ballungsräume und sind nicht ohne weiteres auf ländliche Raumbereiche übertragbar.

Welche Technologien überhaupt, wann und in welcher Form in andere räumliche Umgebungen übertragen werden können, hängt von einer Vielzahl, oftmals nicht dokumentierter, individueller Entscheidungskriterien der lokalen Projektbeteiligten ab.

Ein Monitoring, das sowohl die Rahmenbedingungen erfolgreicher Mobilitätskonzepte als auch die Analyse der individuellen Auswirkungen in Hinblick auf eine Übertragbarkeit in andere räumliche Umgebungen gewährleistet, existiert bislang nur selten. Folglich ist davon auszugehen, dass sich bewährte Mobilitätskonzepte in ähnlichen Raumtypologien fortschreiben und schwierigere räumliche Lagen auf Grund der komplexeren Fragestellung bei der Umsetzung eher als technologisches Hemmnis darstellen (Stichwort: Self-fulfilling Prophecies).

Es stellt sich demnach die Frage, ob diese lineare Betrachtungsweise (räumliches Problem –> technische Lösung) grundsätzlich zu der gewünschten und politisch geforderten Nachhaltigkeit führt. Oder ob gerade durch den hohen räumlichen und technologischen Vernetzungsgrad unter dynamischen, veränderlichen Bedingungen die zu beobachtenden Wechselwirkungen zwischen Technologie, Raum und Mensch ein wesentliches, nachhaltigkeits-relevantes Erkenntnispotential besitzen (technische Lösung –> räumliche Auswirkung –> ggf. neues räumliches Problem).

Mit anderen Worten: Welche Auswirkungen besitzt der Einsatz integrierter Mobilitätsinfrastrukturen auf die dadurch entstehende Raumnutzung? Welche Wechselwirkungen sind zu beobachten? Welche Rückschlüsse können daraus, einerseits für eine Optimierung der Mobilitätskonzepte /-technologien und andererseits für eine Übertragung in andere Umgebungen abgeleitet werden?

Der Forschungsschwerpunkt nextPlace vertritt die These, dass sowohl die Analyse bestehender, als auch die Entwicklung neuer, intelligenter Mobilitätskonzepte viele unterschiedliche Fachdisziplinen betrifft und folglich deren Kommunikation gegenüber Projekt- und Planungsbeteiligten einen wesentlicher Faktor darstellt. Neue computerbasierte Methoden der Datenvisualisierung sind in der Lage unterschiedlichste Mobilitätsverhaltensmuster dynamisch und georeferenziert abzubilden. Die technische Möglichkeit, diese visuell-interaktiven Anwendungsoberflächen mit computer-basierten Simulationsmodellen zur Analyse individueller Entscheidungsmechanismen zu kombinieren, liefert aussagekräftige Informations- und Erkenntniswerkzeuge für alle beteiligten Partner und für die Öffentlichkeit.

Gerade diese Sichtbarmachung dynamischer, sich wechselseitig bedingender Zusammenhänge bietet entscheidende Vorteile in der Analyse, Aufklärung und Kommunikation komplexer Planungszusammenhänge. Die Untersuchung der zu beobachtenden Wechselwirkungen, Rückkoppelungen und zeit-räumlichen Muster lassen neue Bilder, Lesbarkeiten und Prozesserkenntnisse über das Zusammenspiel von Mensch, Raum und Gütern erwarten.