Arbeitsstruktur und Pendlermuster in Ostwestfalen-Lippe

Die Arbeit umfasst eine Analyse der Arbeitsstruktur und des Pendlermusters in Ostwestfalen-Lippe (Region Detmold; Regierungsbezirk Detmold). Die Daten, die als Grundlage für die Karten dienen, enthalten die Gesamtzahl der ein- und ausgehenden Pendler für jede Gemeinde in der Region Detmold. Die Visualisierung erfolgte mit QGIS und der Anwendung Flow Mapper [1].

Die von IT.NRW stammenden Daten bestehen aus jeweils fünf verschiedenen Datensätzen für alle Gemeinden in der Region Detmold:  

  • Gesamtzahl der Arbeitsplätze in den Gemeinden
  • Gesamtbevölkerung, die in ihrer eigenen oder einer anderen Gemeinde beschäftigt ist,
  • Anzahl der Personen, die in die Gemeinden pendeln
  • Anzahl der Personen, die aus der Gemeinde pendeln
  • Nettozahl von Hin- und Rückfahrten pro Gemeinde

Zusätzlich sind die Statistiken für jede Gemeinde in zwei Kategorien eingeteilt: männliche und weibliche Arbeitnehmer.

Laut Marvakov und Mathä (2007) sei „Pendeln die räumliche Verbindung zwischen Wohn- und Arbeitsort“. Das Grundprinzip des Pendelns liegt in der Idee, dass die Fahrtkosten entweder durch günstigere Wohnungen oder durch höhere Löhne kompensiert werden sollten („Entschädigungsprinzip“).

Marvakov and Mathä (2007) bestätigen, dass neue Studien zeigen, dass „Pendeln sich positiv auf die Arbeitskräfte in der Herkunftsregion und die Beschäftigung in der Zielregion auswirkt. Negative Auswirkungen werden in Bezug auf die Reisekosten oder die Entfernung zwischen dem Wohn- und Arbeitsort“ gesehen. Zudem verweisen Marakov und Mathä (2007:  Benito and Oswald, 2000; Hazans, 2004) darauf, dasss die benötigte Zeit zum Pendeln und die Entfernung mit dem Grad der Bildung steigen. Eine gebildetere Person sei außerdem eher zum Pendeln bereit.

Unter Berücksichtigung bibliographischer Angaben wurde eine Untersuchung der täglichen Ortswechsel der Bevölkerung in der Region Detmold durchgeführt.

Die erste Abbildung zeigt die Gesamtzahl der Arbeitnehmer in den Gemeinden. Es fällt auf, dass Kommunen wie Bielefeld, Paderborn, Gütersloh und Minden die größten Anzahlen in der Region aufweisen. Gemeinden wie Willebadessen, Marienmünster und Nieheim haben dagegen weniger Arbeitsplätze anzubieten als die restlichen Regionen. Deswegen ist es wichtig, die Beziehung zwischen der Anzahl der Arbeitnehmer und der Einwohnerzahl einer Gemeinde zu untersuchen.

Aus der zweiten Abbildung geht hervor, dass Willebadessen, Altenbeken, Petershagen, Nieheim und Schieler-Schwalenberg wenige Arbeitsplätze im Verhältnis zur Gesamteinwohnerzahl aufweisen. In Halle, Verl, Lübbecke, Gütersloh und Herford fällt die Differenz dagegen deutlich geringer aus als in allen anderen Regionen. Bielefeld hat eine relativ hohe Einwohnerzahl, deshalb ist es in der Auswertung weniger auffällig, obwohl das Arbeitsangebot das größte der Region ist. In geringerem Maße gilt dies auch für Paderborn und Minden.

Abbildung 1: Zahl der Arbeitnehmer

Abbildung 2: Arbeitnehmer und Bevölkerung (2013) Ratio

In der dritten Abbildung wird die Nettoanzahl der Pendler in der Region Detmold thematisiert. Dies ergibt sich durch eine Subtraktion der Pendler, die aus der Gemeinde pendeln von denen, die einpendeln. Gemeinden, deren Ergebnis negativ ausfällt werden in Grautönen gezeigt, wohingegen Gemeinden mit positivem Ergebnis in Orangetönen dargestellt werden.

Das Ergebnis (Abb. 3) zeigt, dass Bielefeld im Vergleich die Gemeinde mit den meisten Einpendlern im Vergleich zu Auspendlern ist. Es folgen Paderborn, Gütersloh und Minden. Die höchste Anzahl an Auspendlern im Vergleich zu Einpendlern weisen die Gemeinden Petershagen und Lage auf.

Abbildung 3: Nettoanzahl der Arbeitnehmer

Eine Analyse mit der Flow-Mapper-Anwendung ermöglicht es, festzustellen, aus welchen Gemeinden in Ostwestfalen-Lippe Menschen nach Bielefeld pendeln. Gemeinden, in denen weniger als 400 Arbeitnehmer nach Bielefeld pendeln wurden ausgefiltert und sind deshalb nicht in der Karte sichtbar.

Wie aus Abbildung 4 hervorgeht, leben die meisten Pendler in den Gemeinden Gütersloh (5312 Pendler täglich), Herford (4599 Pendler täglich), Schloß Holte-Stukenbrock (3588 Pendler täglich), Steinhagen (3287 Pendler täglich) und Leopoldshöhe (3131 Pendler täglich). Alle diese Gemeinden grenzen an Bielefeld und messen eine geringere Flächengröße, sowie Einwohnerzahl.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass es auch einige Städte mit hoher Pendleranzahl gibt, deren Entfernung zu Bielefeld größer ist. Dazu zählen die Städte Paderborn (2163 Pendler täglich) und Minden (795 Pendler täglich). Ihre Entfernungen zu Bielefeld betragen 47 km bzw. 48 km. Die dort lebenden Pendler benötigen täglich etwa 80 Minuten für ihren Arbeitsweg (Hin- und Rückweg von der Gemeinden in der sie leben, bis zum Arbeitsplatz).

Abbildung 4: Tägliche Anzahl der Einpendler, Zielort Bielefeld

In der fünften Abbildungen wird verdeutlicht aus welchen Gemeinden in Ostwestfalen-Lippe wie viele Arbeitnehmer nach Paderborn pendeln. Salzkotten (3647 Pendler täglich), Borchen (3160 Pendler täglich), Delbrück (3076 Pendler täglich) und Bad Lippspringe (2803 Pendler täglich) sind die Gemeinden mit den meisten Arbeitnehmern, die nach Paderborn pendeln. Alle drei Gemeinden grenzen an Paderborn und sind in ihrer Fläche und Einwohnerzahl kleiner. Auch wichtig ist die Erwähnung von Höxter, Gütersloh, Bielefeld und Warburg, weil dort trotz weiter Entfernung zu Paderborn (etwa 55km, 49km, 47km und 45km) jeweils mehr als 400 Pendler leben.

Abbildung 5: Tägliche Anzahl der Einpendler, Zielort Paderborn

Gütersloh nimmt in Ostwestfalen-Lippe unter den Gemeinden mit den meisten Nettopendlern den dritten Platz ein. Aus Abbildung 6 geht hervor, dass meisten Einpendler aus Bielefeld (5782 Pendler täglich) und Rheda-Wiedenbrück (4355 Pendler täglich) kommen. Beide Städte befinden sich im direkten Umfeld von Bielefeld.

Abbildung 6: Tägliche Anzahl der Einpendler, Zielort Gütersloh

Die vierte Gemeinde, die eine hohe Anzahl an Einpendlern im Vergleich zu Auspendlern hat, ist Minden. In Abbildung 7 wird deutlich, dass die dort lebenden Arbeitnehmer lediglich in die unmittelbaren Nachbargemeinden pendeln, insbesondere in jene, die zum Kreis Minden-Lübbecke gehören.

Die Ergebnisse zeigen, dass Minden im Bezirk Minden-Lübbecke eine starke Polarität aufweist und dass zwischen den Gemeinden dieses Bezirks ein Abhängigkeitsverhältnis besteht. Das bedeutet, viele Arbeitsplätze in Minden werden von Arbeitnehmern, die in Mindens Nachbargemeinden leben, besetzt. Arbeitnehmer aus Minden, die auf der Suche nach besseren Arbeitsangeboten sind, werden in Bielefeld beschäftigt, einer relativ weit entfernten Stadt.

Abbildung 7: Tägliche Anzahl der Einpendler, Zielort Minden

Wie bereits aus Abbildung drei hervorgeht, leben die meisten Auspendler im Vergleich zu Einpendlern in Petershagen und Lage. Eine Analyse der Pendlerströme zeigt, welche Gemeinden die Ziele der Pendler aus Petershagen und Lage sind.

Abbildung 8 bestätigt die These der Abhängigkeitsverhältnisse, die für Minden aufgestellt wurde. Pendler, die Petershagen als Ziel haben, kommen erneut aus den entsprechenden Nachbargemeinden.

Die Ergebnisse der Untersuchung von Auspendlern aus Lage gehen aus Abbildung 9 hervor. Das Ziel der meisten Pendler ist in diesem Fall Detmold (3288 Pendler täglich). Auch Bielefeld, Lemgo und Bad Salzuflen sind Ziele vieler Pendler aus Lage.

Abbildung 8: Tägliche Anzahl der Auspendler (Petershagen)

Abbildung 9: Tägliche Anzahl der Auspendler (Lage)

Die folgende Untersuchung ermittelt das Verhältnis von Einpendlern zu Bevölkerung, sowie von Auspendlern zur Bevölkerung (2013).

Teil der Analyse von Einpendlern ist die Identifizierung von Gemeinden, die eine hohe Anzahl an Arbeitspendlern aufweisen und diese wiederum in ihrer Stadtplanung berücksichtigen sollten, da dadurch eine erhöhte Anzahl an Personen Dienstleistungen in Anspruch nimmt. Zudem sollte die Infrastruktur entsprechend angepasst werden (hydrographische Struktur, Sanitärstruktur, Straßenstruktur etc.). In der Literatur werden Einpendler auch als „floating population“ bezeichnet. Aus Abbildung 10 geht hervor, dass Halle eine Stadt ist, auf die dies zutrifft, ebenso Lübecke, Blomberg, Verl, Kirchlengern und Herford. Diese Gemeinden werden täglich von einer hohen Anzahl an Einpendlern, im Vergleich zur Einwohnerzahl, erreicht. In den vorherigen Abbildungen wurden sie bereits farblich hervorgehoben (besonders bei der Zahl der Arbeitsplätze und der Anzahl der Netto-Pendler).

Ziel der Analyse der Auspendler ist die Identifizierung von sogenannten Schlafstädten (auch bekannt als Pendlerstädte, exurbs, oder Schlafzimmer Städte). In einer Schlafstadt arbeiten die Einwohner normalerweise in einer anderen Stadt. In dieser Studie haben einige Städte eine hohe Anzahl an Auspendlern im Vergleich zur Einwohnerzahl. Dies kann darauf hinweisen, dass die Städte während des Tages leer bleiben. Somit wäre die Infrastruktur nicht ausgenutzt und Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft wären möglich. Aus Abbildung 11 geht hervor, dass die Gemeinden mit einer hohen Anzahl an Auspendlern im Vergleich zur Einwohnerzahl Langenberg, Marienmünster, Enger, Rödinghausen und Hille sind.

Abbildung 12 zeigt die Gesamtanzahl der Pendler (Ein- und Auspendler) in Relation zu der Einwohnerzahl von 2013. Die Absicht dieser Karte ist die Hervorhebung von Gemeinden, in denen ein großer Austausch von Arbeitgebern, die ein- und auspendeln, stattfindet. Diese Städte sind Halle, Verl und Kirchlengern. In Bielefeld hingegen, ist die Relation von Pendlerzahl und Einwohnerzahl am geringsten.

 

Abbildung 10: Verhältnis von Einpendlern zur Bevölkerung

Abbildung 11: Verhältnis von Auspendlern zur Bevölkerung

Abbildung 12: Verhältnis von Ein- und Auspendlern zur Bevölkerung

Die Anzahl der weiblichen Pendler im Vergleich zu männlichen Pendlern geht aus Abbildung 13 hervor. Ist eine Gemeinde in Rot dargestellt, so überwiegt die Anzahl der weiblichen Pendler, in blau dargestellt sind die Gemeinden, in denen männliche Pendler die Mehrheit bilden. Bad Driburg, Halle, Horn-Bad Meinberg, Detmold, Bad Lippspringe und Bad Oeyenhausen sind die Gemeinden in denen mehr weibliche als männliche Pendler vorkommen. In der restlichen Region, besonders in Verl, Lichtenau, Borgholzhausen, Harsewinkel. Schloß-Holte Stukenbrock und Leoplodshöhe ist der Anteil der männlichen Pendler deutlich höher.

Abbildung 13: Verhältnis von männlichen zu weiblichen Arbeitnehmern

 

[1] Flow-Mapper ist eine kostenlose Open-Source-Software für flow-mapping, die vollständig in QGIS, einer Desktop GIS-Anwendung, integriert ist. Entwickelt wurde die Software 2014 von Naim Cem Güllüoğlu. | Güllüoğlu, C., 2008, Development of free and open source software for flow mapping integrated to Geographic Information Systems, Geodetic and Geographic Information Technologies Department, Middle East Technical University, 2014, Ankara, Turkey.

[2] Nach Google Maps, das Auto nutzend.

[3] Die Bevölkerung kann in zwei Gruppen kategorisiert werden: die Einwohner – die permanent in der Stadt leben und Teil der Volkszählung sind, und die nicht sesshafte Bevölkerung – die in der Gegend wohnen aber nicht dauerhaft dort leben und nicht als Teil der offiziellen Volkszählung betrachtet werden.