HolzmindenHealthMap

Frage

Die Auswirkungen des demografischen Wandels sind besonders stark in den ländlichen Räumen erkennbar. Welche Auswirkungen hat dies jedoch für die dort vorhandene Gesundheitsinfrastruktur? Dieser Frage stellt sich die Gesundheitsregion Holzminden, denn ältere Menschen gehen in der Regel öfter zum Arzt und demnach würde die derzeitige Gesundheitsinfrastruktur in den kommenden Jahren mit Überlasten konfrontiert werden. Gleichzeitig nimmt die Gesamtbevölkerungszahl jedoch ab. Für die Planung der künftigen Gesundheitsinfrastruktur ist daher zu klären, ob die Abnahme der Bevölkerung groß genug ist, um die erhöhte Zahl der Arztbesuche zu kompensieren.

Methodik

Dieser Frage hat sich die Forschungsgruppe nextPlace in Zusammenarbeit mit Studierenden der Hochschule Ostwestfalen-Lippe gestellt und die HolzmindenHealthMap Applikation entwickelt. Hierbei wurden die Bevölkerungsprognosen des Landkreis Holzminden in Alterskohorten übersetzt, um anhand deren durchschnittlichen Arztbesuchen pro Jahr die aufkommenden Arztbesuche der Folgejahre zu prognostizieren. Die Arztbesuche je Gemeinde und Jahr konnten nachfolgend über die in den Gemeinden gemeldeten Adressen verteilt werden, um die Arztbesuche je Adresse zu ermitteln. Für jede als Allgemeinmediziner angegebene Arztpraxis wurden Einzugsgebiete (15 Minuten Fahrzeit mit PKW) ermittelt und die darin enthaltenen Adressen, sowie deren Arztbesuche je Jahr der Praxis zugeteilt. Hierdurch konnte für das Basisjahr 2008 die Basislast der jeweiligen Arztpraxis ermittelt werden (=100%). Für die Folgejahre wurde die neu berechneten Arztbesuche je Jahr und Praxis mit der Basiszahl verglichen, um die Veränderung der Auslastung zu ermitteln.

Erkenntnisse

Die Ergebnisse der Anwendung und des Rechenmodells zeigen, dass die Versorgung im allgemein medizinischen Sektor in den Folgejahren sichergestellt ist. Die Auslastung der Ärzte nimmt über die Zeit ab, mit einem Minimalwert von zu 73% Auslastung einer Praxis in Ottenstein. Die Auslastung im Jahr 2030 ist in den dichter besiedelten Bereichen im Nord-Westen der Region höher mit ~82%. Die stärkste Überalterung der Bevölkerung ist im Nord-Osten der Region vorzufinden.

Kritik

Das verwendete Rechenmodell ist jedoch kritisch zu hinterfragen:

  • Die Bevölkerungsprognosen basieren auf vergleichsweise alten Datensätzen.
  • Es wird keine zusätzliche Auslastung durch die hohe Zahl von Flüchtlingen in der Region mit betrachtet.
  • Eine Anreise per PKW von alten Menschen ist nicht grundsätzlich realistisch.
  • Die Verteilung der Bevölkerung der Gemeinde auf die Einzugsgebiete wurde vereinfacht wodurch die „ländlichen Regionen“ überschätzt und die „urbanen“ Regionen unterschätzt werden.
  • Es wurde keine Schließung von Arztpraxen berücksichtigt.
  • Die maximale Anreisezeit von 15 Minuten sollte kritisch hinterfragt werden.

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